Electro
FÜR FANS VON: Goldfrapp, Hundreds, The Rapture, Touchy Mob, I Might Be Wrong
"First we take Manhattan, then we take Berlin", orakelt Leonard Cohen in einem seiner berühmtesten Lieder. Die Berliner Band Bodi Bill geht die Sache genau andersherum an. Berlin haben sie bereits in der (Stoff-)Tasche. Dort hüpft jeder zweite Hornbrillen-Träger zu Songs wie "I Like Holden Caulfield" über die Tanzfläche. Wenn es nach Fabian Fenk, Alex Amoon und Anton Feist ginge, dürfte es in Manhattan bald ähnliche Szenen geben. Nach Paris und London haben sie es mit ihrem fiebrigen Elektropop schon geschafft. Nun soll auch der Rest der Welt erfahren, wie die Band klingt, die in Berlin gleich drei Nächte hintereinander das Lido bespielt.
An Selbstbewusstsein mangelt es dem trendbewussten Trio nicht: "Das ist gerade der ansprechendste Lebensentwurf, den man kaufen kann", bewerben Bodi Bill ihr neues Album "What?" mit Augenzwinkern. Wie schon auf den beiden Vorgängeralben bettet die Band darauf analoge Instrumente auf Computer-Beats und macht auch vor Folk nicht Halt. Indietronic? Greift zu kurz. Advanced Electropop? Das passt. "Jeder Song ist anders", so Sänger Fabian Fenk. Es gehe darum, Genregrenzen zu überspringen. Das bringt uns nahtlos zu ihrer Bühnenshow: drei Männer, drei Tische, drei Computer. Erinnerungen an die Elektronik-Pioniere Kraftwerk werden wach. Doch wo jene mit eckigen Roboterbewegungen ihre Arbeit verrichteten, sehen Bodi Bill wie einem Aerobic-Video entsprungen aus. Alles ist in Bewegung. Fast fürchtet man, die teure Technik überlebt die wüsten Tänze nicht. Auf einer Videoleinwand blinken Worte auf, über deren Sinn man lange nachdenken könnte. Oder man schließt entzückt dabei die Augen, wie Bodi Bill Sinead O' Connors traurigen Song "Nothing Compares 2 U" in ein groovendes Gute-Laune-Lied umdefinieren. "I practiced every night, now I'm ready", sang Cohen weiter. Gekauft.
Video-Tipp: "I Like Holden Caulfield" von Bodi Bill
Alle Konzerte von "Bodi Bill"
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