Das Interview im Clube Portugues
Ein Abendessen mit ... Professor Thomas Rempen
Thomas Rempen hat Kampagnen für Rewe, Microsoft, Daimler und viele andere entwickelt. Aber sein beständigstes Projekt steht im Düsseldorfer Hafen: der Neue Zollhof. Ein Gespräch zum 10. Geburtstag der Gehry-Gebäude.
Sabrina Weniger
Thomas Rempen arbeitet seit 35 Jahren als Grafikdesigner, Werber und Marketingprofi.
Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." Mit diesen Worten beginnt Thomas Rempens Buch über den Neuen Zollhof. Das Zitat stammt vom ersten israelischen Premierminister Ben Gurion. Es steht dort nicht ohne Grund - Thomas Rempen hat einen langen Kampf um die Gehry-Gebäude geführt. Er war Initiator und Co-Investor des Projekts. Seit genau zehn Jahren steht das Ergebnis am Eingang zum Medienhafen. Zeit für einen Rückblick. Bei unserem Essen im Clube Portugues kommt Rempen gerade von seinem Stammfrisör Nico. Dem hält er immer noch die Treue, obwohl er, Rempen, seit einer Weile im Münsterland wohnt. Er trägt das Karohemd über der Hose, an der Stirn klebt eine Lesebrille. Er wirkt locker, aber fokussiert. Man ahnt, dass seine kumpelhafte Art kein Freibrief für Nachlässigkeiten seiner Mitarbeiter ist. "Ich bin ein ergebnisorientierter Mensch", sagt Rempen. "Wenn Sie mir am Morgen eine brillante Idee liefern, dann können Sie nachmittags machen, was Sie wollen. Wenn die Idee schlecht ist, erwarte ich eine Nachtschicht." Mit dieser kreativen Philosophie ist Rempen jahrzehntelang gut gefahren. Sehr gut sogar. Seine Agentur "Hildmann, Simon, Rempen & Schmitz" war eine der kreativsten in Deutschland, gewann goldene, silberne und bronzene Medaillen bei nationalen und internationalen Wettbewerben.
1987 war Rempen "Werbemann des Jahres", seine Firma konnte die vielen Mitarbeiter kaum noch unterbringen. Der Neue Zollhof sollte Abhilfe schaffen. Er sollte aber auch ein Zeichen setzen für Düsseldorf als Stadt der Medien. "In irgendeiner normalen Bude wollten wir nicht arbeiten. Wir wollten einen Leuchtturm für das kreative Düsseldorf bauen." Der Weg durch die Behörden und Stadtgremien war lang, an Gegenwind mangelte es nicht. Der ursprünglich geplante Entwurf der Londoner Architektin Zaha Hadid musste nach drei Jahren Planungsarbeit ganz gekippt werden. Aus baurechtlichen Gründen waren nur 60 Prozent des Innenraums kommerziell nutzbar. Rempen rief seinen Freund Frank Gehry an. Der Stararchitekt entwarf eine ganz neue Situation. Das Ergebnis ist vermutlich der beste Plan B, den Düsseldorf je gesehen hat. Nicht, dass die Umsetzung leicht gewesen wäre. "Bauen Sie das mal", sagt Rempen, zerknüllt eine Serviette und legt sie auf den Teller. Die geschwungenen Formen seien nur möglich gewesen mit den neuesten Statikprogrammen. Zehn Jahre zuvor wäre der Neue Zollhof ein nicht umsetzbares Kunstwerk gewesen. Aber auch so mussten Gehry und Rempen Dutzende Befreiungsanträge beim Bauamt erbitten. Und die bekamen sie. Wirklich ein Wunder.
Unser Autor Ingo Juknat war mit Professor Thomas Rempen Abendessen im: Clube Portugues, Erkrather Str. 197, D-Flingern, Tel. 7 70 50 77, tägl. 12-24 Uhr, clube-portugues.de.
Authentisch ist hier das Speisenrepertoire, das auf der Schiefertafel annonciert wird und einfach zubereitet auf den Tisch kommt. ...mehr
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