"Komik als geistige Lockerungsübung"
Ein Gespräch mit ... Christian Ehring
Ob als Reporter der "heute-show", Ensemblemitglied des Kom(m)ödchens oder Moderator von "extra 3" - Christian Ehring weiß, was witzig ist. PRINZ traf den TV-Komiker und Kabarettisten beim Alphornblasen
Dieter Hildebrandt, Harald Schmidt, Mario Barth - wo verorten Sie sich?
Harald Schmidt habe ich immer sehr bewundert. Der ist ja auch ein Kom(m)ödchen-Gewächs, und was Schlagfertigkeit, Spontaneität und Intelligenz angeht, absolut einzigartig. Man fragt sich nur manchmal, ob er noch viel Lust hat. Dieter Hildebrandt wird selbst im Alter immer besser. Er hat sich mal eins unserer Ensemblestücke angeschaut. Als er uns später in der Garderobe sein Lob aussprach, war das ein Gänsehaut-Moment.
Und Mario Barth und der ganze Comedy-Boom?
Für viele ist Mario Barth natürlich das Hassobjekt Nr. 1. Klar ist das Genre, das er bedient, so ein bisschen das McDonalds der Komik. Aber ich mag in diesen Chor nicht einstimmen. Den herzlosen Oliver Pocher finde ich weitaus schlimmer. Wenn alle lästern, habe ich den Impuls, in Opposition zu gehen. Es gab auch Momente, da habe ich Sympathie für Guido Westerwelle empfunden. Kritisch in meinem Beruf, ich weiß. Aber als ihn der "Spiegel" selbstherrlich zum Rücktritt aufforderte, war ich plötzlich auf seiner Seite.
Was liegt Ihnen mehr: Politsatire, wie sie die "heute-show" und "extra 3" bieten, oder klassisches Kabarett?
Naja, klassisch ist das Kabarett im Kom(m)ödchen nur bedingt. Neben einer Rahmenhandlung, in der ich meistens mich selbst spiele, gibt es auch Stand-up-Elemente. Autor der Stücke ist Dietmar Jacobs, der für seine "Stromberg"-Drehbücher den Grimme-Preis bekommen hat. Ich betätige mich als Co-Autor. Hieß es anfangs noch, die Gründer Kay und Lore Lorentz würden sich im Grab umdrehen, läuft es heute so gut wie zuletzt in den 50er, 60er Jahren.
Von Ihnen stammt der Spruch, der rheinische Witz sei "unterkomplex".
Am lustigsten findet der Rheinländer doch, wenn man ihm versichert, wie sympathisch er ist. Ich aber betrachte Komik als geistige Lockerungsübung. Egal ob auf der Bühne oder vor der Kamera. Man muss sich selbst infrage stellen können. Als Zuschauer, als Kabarettist. Auch als Rheinländer.
Gibt es Tabus?
Ja, das Verhöhnen von Opfern ohne die Absicht satirischer Aufklärung. Komik kann die Welt vielleicht nicht verbessern, sollte sie aber auch nicht verschlechtern.
"Ehring lebt in Düsseldorf und trägt das mit Fassung" ist in Ihrer Vita zu lesen ...
Ich habe lange in Köln gewohnt und mich erst gesträubt, nach Düsseldorf zu ziehen. Jetzt lebe ich seit zehn Jahren hier und fühle mich absolut heimisch. Was mir nicht gefällt? Wenn zum Eurovision Song Contest ein Schützenzug aufmarschiert. Schwierig ist alles, was sich streckt und groß sein will, und gerade dadurch nach Provinzmetropole aussieht.
Stichwort Kö-Bogen?
Der macht mir einerseits Angst, weil ich denke, dann ist da wieder ein Sushi-Laden neben einer Coffee-Bar. Andererseits war der Ausbau des Hafens damals auch sehr umstritten, gefällt mir aber heute sehr gut. Also bin ich in Sachen Kö-Bogen einfach mal optimistisch.
Was soll eigentlich das Alphorn?
Seit der letzten Spielzeit gibt es in der Tonhalle die Reihe "Sonnenwind - Ehring geht ins Konzert", moderiert von mir und für Leute wie mich, die an der Klassik der Habitus nervt. Übermorgen wird hier auf dem Alphorn gejazzt. Also habe ich auch mal reingeblasen.
Das Gespräch führte Eva Westhoff
heute 12 Uhr
heute 20 Uhr
morgen 18:30 Uhr
morgen 19 Uhr
morgen 19:30 Uhr





