"Ich bin kein Baby, das man füttern muss"
Ein Gespräch mit ... Kassim Auale
Mit Cluesos "Chicago" hatte er den Applaus auf seiner Seite. Und doch kam für Kassim Auale, X-Factor-Kandidat aus Krefeld, in der vierten Live-Show das Aus. Im Gespräch mit PRINZ zeigt sich der 20-Jährige erstaunlich abgeklärt
X Factor ist nur eine von zig Castingshows. Fans des Formats kam dein Gesicht gleich bekannt vor.
Ja, richtig. Ich war mit 17 bei DSDS, bin allerdings im Recall ausgeschieden. Als ich X Factor entdeckte, dachte ich: Warum es jetzt, knapp drei Jahre später, nicht noch mal versuchen?
Man sah dich außerdem als Darsteller in einem Kurzfilm. Die Story: Talentierter Jungmusiker trifft auf skrupellosen Produzenten. Vermisst du Dieter Bohlen?
Dieter Bohlen konnte ich nicht wirklich kennen lernen, bin ihm nur kurz in den Castings begegnet. Aber was man so im Fernsehen mitbekommt, sind mir die X-Factor-Juroren tatsächlich sympathischer.
Tatsächlich? Es war dein Mentor Das Bo, der sich letztlich für Monique Simon und gegen dich entschieden hat ...
Bo und ich sind gute Kumpels geworden. Ich akzeptiere seine Entscheidung und kann sie auch nachvollziehen. Monique drücke ich die Daumen. Mein persönlicher Favorit ist aber David Pfeffer. Der hat für mich wirklich den X Factor!
Du singst bei Breakdowns at Tiffany's, einer Metalcore-Band, standst schon im Zakk auf der Bühne. Was sagen die Kollegen zu James-Blunt- oder Bruno-Mars-Performances?
Nach anfänglicher Skepsis haben die mich jetzt sogar zu den Shows begleitet. Für mich selbst war von Anfang an klar, dass ich in einem Format wie X Factor nicht sämtliche Leidenschaften bis zum Anschlag ausleben kann. Aber ehrlich gesagt stört mich das wenig. Denn ich mag Pop und Metal, gehe zum Feiern auch ins Rudas oder in die Königsburg.
Blieb überhaupt Zeit fürs Privatleben?
Ein-, zweimal die Woche hatten wir frei. Dann konnte ich zu meinen Leuten. Von der Kandidaten-Villa in Köln ist es ja nicht so weit bis nach Krefeld.
Während der Shows musstet ihr alle einen Pulsmesser tragen. War diese Rundumüberwachung nicht störend, zumal dein Topwert bei über 190 lag?
(lacht) Auf den Pulsmesser hätte ich tatsächlich verzichten können. Andererseits ist es ja kein Fehler, Emotionen zu zeigen ...
... im Gegenteil, die Show lebt davon. Schon mal von Casting-Coachs gehört?
Du meinst Coachs, die dich gezielt aufs Casting vorbereiten? Nein, das ist mir neu. Ich denke mir aber auch immer, das Publikum ist nicht dumm. Das merkt schon, wenn man sich verstellt. Es bringt nichts zu schauspielern. Also habe ich es gar nicht erst versucht.
Du bist schnell in die Rolle des smarten Kandidaten hineingeraten ...
Eigentlich war ich in jeder Show bemüht, eine neue Facette von mir zu zeigen. Nur verbiegen lassen wollte ich mich nicht.
Martin Kesici, Ex-"Star Search"-Gewinner, bezeichnet in dem Buch "Sex, Drugs & Castingshows" das Format sogar als "Telenovela" ...
Vor dem Business keinen Respekt zu haben, ist blauäugig. Genau wie davon auszugehen, dass die Teilnahme an einer Castingshow dein Leben für immer verändert. An irgendeinem Punkt ist Eigenverantwortung gefragt, und Charakterstärke. Ich bin schließlich kein Baby, das man durchfüttern muss.
Nun hat es bei X Factor nicht geklappt. Wie geht es weiter?
Ich gehe zurück zu meiner Band und mache mein Studium fertig, könnte mir vorstellen, nach der Uni für die Presse oder fürs Fernsehen zu arbeiten. Aber ich bin kein großer Planer. Mal sehen, was noch so kommt.
Das Gespräch führte Eva Westhoff
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