"Polarisieren fand ich immer gut"
Ein Gespräch mit ... Sammy Amara
18 Jahre Broilers! Eine Düsseldorfer Band wird erwachsen - und geht richtig ab: Platz drei in den deutschen Albumcharts und eine Nominierung für die 1Live- Krone als "Bester Live-Act". PRINZ besuchte Frontmann Sammy Amara (32)
X Gratulation zur Volljährigkeit. Es heißt, du und Andi als Urväter der Broilers hättet euch im Religionsunterricht kennen gelernt.
Das stimmt. Der Bandgründung ging allerdings Krawall voraus. Andi hat erst mal die Hälfte der Parallelklasse gegen mich aufgehetzt.
Weshalb?
Wir waren damals elf und zwölf, und er sah in mir einen Konkurrenten, fand mich halt cool. Dasselbe galt übrigens für Ines, unsere Bassistin. Die hat Andi auf dem Schulhof angequatscht. Ron ging ebenfalls bei uns auf die Schule, das Gymnasium Koblenzer Straße in Urdenbach.
In eurem Clip zu "Harter Weg" hängen zwei Kids in der Vorstadt ab, brettern im Einkaufswagen durchs Parkhaus und lassen im Rhein Steine flitschen. Erinnerungen an alte Zeiten?
Gewissermaßen. Als kleine Punks haben Andi und ich unsere Verstärker auch schon mal auf den Spielplatz geschleppt. Allerdings blieb unser Aktionsradius nicht lange auf den Düsseldorfer Süden beschränkt. Wir mussten ja in die Altstadt, um bei Pic Up unsere Dr. Martens zu kaufen. Jedes Mal, wenn wir in der Bahn saßen und an der Philipshalle (heute Mitsubishi Electric Halle/Anm. d. Red.) vorbeifuhren, stellten wir uns vor, wie es wäre, dort zu spielen. Das war eine große Motivation und wohl einer der frühsten Einträge auf unserer fiktiven Liste.
Was für eine Liste?
Eine Liste im Kopf, auf der alles verzeichnet ist, was du als Band erreichen möchtest: auf der wichtigsten Bühne deiner Heimatstadt spielen, eine Platte aufnehmen, mit den Toten Hosen ein Bier trinken, solche Dinge.
Für das Bier dürftet ihr ja mittlerweile Gelegenheit gefunden haben. Mit den Toten Hosen teilt ihr das Management und habt sie mehrmals supportet. Sind die Hosen eure Helden?
Ja, und Lokalpatriotismus ist nur ein Grund dafür. Die Hosen spielen einfach eine große Rolle in unserer Bandsozialisation, unter anderem wegen ihres Albums "Learning English" von 1991. Dort covern sie ihre "Helden": Sham 69, The Boys, The Lurkers - die ganzen Punkbands der 70er. Für uns Spätgeborene, die wir bis dato nur AC/DC gehört hatten, und davor Michael Jackson, war das der perfekte Einstieg.
Ursprünglich wart ihr eine Oi!-Band. Deshalb auch der Name Broilers ...
Och, nicht schon wieder das Thema. Ja, der Name ist blöd. Und er führt dazu, dass uns lustige Veranstalter schon mal ein tanzendes Huhn auf die Bühne schicken. Aber er gehört nun einmal zu uns.
Mit "Santa Muerte" seid ihr auf Platz drei der Albumcharts gestiegen. Damit ist das Szenedasein wohl endgültig Geschichte. Was sagst du zum Quotenband-Vorwurf?
Den durften wir uns schon anhören, als wir noch fest in der Szene verwurzelt waren. Ein Skinhead, ein Rockabilly, ein Punkrocker, und dann noch ein hübsches Mädel, das wirkt zugegeben fast schon gecastet. Ich kann nur sagen: Polarisieren fand ich immer gut. Und zur Platte: "Santa Muerte" hat als Basis Punkrock, mit etwas Pop obendrauf.
Was machst du, wenn ihr mal nicht auf Tour seid?
Ich wohne in der Innenstadt und spaziere fast täglich über die Kö. Die darf man schließlich nicht den Pelzträgern überlassen. Mit der Band gehen wir gerne Cocktails trinken, am liebsten in der Bar Alexander. Da gibt es zwar nicht immer Handyempfang, aber gute Drinks.
Das Gespräch führte Eva Westhoff
heute 12 Uhr
heute 20 Uhr
morgen 18:30 Uhr
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morgen 19:30 Uhr





